|
Anaplasmose / Ehrlichiose
Bei der humanen granulozytären Anaplasmose HGA (früher humane granulozytäre Ehrlichiose HGE) handelt es sich um eine fieberhafte Infektionskrankheit, die durch den bakteriellen Erreger Anaplasma phagocytophilum verursacht wird. Hauptüberträger sind Schildzecken der Art Ixodes ricinus (gemeiner Holzbock). Während Ehrlichien bzw. Anaplasmen als Erreger im Tierreich (z.B. Hunde, Schafe, Pferde) seit langem bekannt waren, glaubte man lange Zeit, dass eine Erkrankung beim Menschen nicht möglich sei. Diese Annahme ist mittlerweile widerlegt, und es sind zahlreiche Anaplasmose-Fälle beim Menschen belegt.
Während des Zeckenstichs werden die Anaplasmen über die Speicheldrüsen auf den Menschen übertragen. So kann es schon bei kurzen Zeckenstichen zu einer Anaplasmose kommen. Nach erfolgter Infektion dringen die Erreger in die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ein und vermehren sich dort in den Phagosomen, die bei der Vernichtung von Fremdstoffen (Antigenen) eine wichtige Rolle spielen. So greifen die HGA-Erreger direkt in das Immunsystem des Menschen ein.
Vorkommen und Häufigkeit von Anaplasmose
Die genaue Häufigkeit der humanen granulozytären Anaplasmose in Deutschland und Europa ist unklar. Aufgrund der unspezifischen Symptomatik wird eine Infektion vermutlich häufig nicht erkannt. Bei Untersuchungen von Blutspendern wurden bei 2 bis 5 Prozent Antikörper gegen Anaplasma phagocytophilum nachgewiesen. Bei gegenüber Zecken exponierten Personen in Süddeutschland (z.B. Förster oder Waldarbeiter) waren es sogar 14%. Die Anwesenheit der Antikörper weisen auf eine Infektion mit Anaplasma phagocytophilum innerhalb der vorangegangenen drei Jahre hin und belegen, dass HGA-Infektionen in Deutschland nicht selten sind.
Von den im Jahr 2007 im Labor der JenaGen GmbH untersuchten Zecken waren 7,5% mit Anaplasma phagocytophilum infiziert. 2% enthielten sowohl Borreliose- als auch Anaplasmose-Erreger. Es besteht folglich eine nicht unerhebliche Gefahr von Doppelinfektionen.
Symptome einer Anaplasmose
Etwa die Hälfte der HGA-Infektionen bleibt vom Betroffenen unbemerkt und verläuft ohne Symptome. Bei diesen Personen wird eine HGA nur durch den Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger Anaplasma phagocytophilum im Serum nachgewiesen.
Bei einer symptomatischen humanen granulozyten Anaplasmose können nach einer Inkubationszeit von 5 bis 30 Tagen zahlreiche unspezifische Symptome auftreten:
Mögliche Symptome der humanen granuolzytären Anaplasmose
| Symptom |
Häufigkeit |
| Fieber |
100% |
| Muskelschmerz (Myalgien) |
98% |
| Muskelsteifheit (Rigor) |
95% |
| Thrombopenie (Mangel an Thrombozyten, verlängerte Blutungszeit bei Verletzungen) |
92% |
| Leukopenie (Mangel an Leukozyten, erhöhtes Infektionsrisiko |
91% |
| Schwindel |
39% |
| Gewichtsabnahme |
37% |
| Erbrechen |
34% |
| Verwirrtheit |
17% |
| Durchfälle |
10% |
| Leibschmerze |
8% |
| Hautausschlag (Exanthem) |
2% |
| Lymphknotenschwellung |
2% |
Während spontane Ausheilungen möglich sind, kann HGA auch chronisch verlaufen. Es kommt dann zu wiederkehrenden Fieberschüben mit schweren Allgemeinsymptomen. Als Komplikationen, insbesondere bei älteren und immungeschwächten Personen, sind Multiorganversagen, Hirnhautentzündung und akutes Atemnotsyndrom möglich.
Unbehandelt liegt die Sterblichkeitsrate von HGA bei bis zu 5%.
Therapie und Prophylaxe
Standardtherapie für Anaplasmosen ist 2x100 mg Doxycyclin über 14-20 Tage. Grundsätzlich nicht wirksam sind Penicilline und Cephalosporine.
Eine Impfung gegen Anaplasmose ist nicht verfügbar. Als Vorbeugemaßnahme ist ausschließlich die Vermeidung von Zeckenstichen möglich.
Achtung: Die "Zecken-Schutzimpfung" schützt nur vor FSME, nicht aber vor Anaplasmose und andere durch Zecken übertragene Krankheiten!
|